Unter Mikrochirurgie versteht man allgemein die Chirurgie kleiner anatomischer Strukturen. Genügt für die meisten Eingriffe der Handchirurgie im Allgemeinen eine Lupenbrille mit 2 bis 4facher Vergrößerung, so ist für Operationen an Nerven und kleinen Blutgefäßen der Einsatz eines Operationsmikroskops erforderlich. Kleinste Gefäße und Nerven können so z.B. bei abgetrennten Gliedmaßen wieder angenäht werden (Replantationschirurgie).

Ein besonderer Schwerpunkt unserer Tätigkeit stellt die Mikrochirurgie von Nerven dar.
So kommt es bei der Geburt zuweilen zur Schädigung eines im Bereich der Achselhöhle gelegenen Nervengeflechtes, welches den gesamten Arm versorgt, dem sogenannten Plexus brachialis.

Schädigungen des Plexus brachialis treten vor allem auch durch Unfälle auf. Auch weiter peripher gelegene Nerven im Bereich der Ellenbeuge, des Unterarmes und der Hand können durch Unfälle oder Tumore direkt geschädigt werden. Auch auf Umwegen über die Absiedelungen in Lymphknotengebieten in der Achselhöhle können die Nerven geschädigt werden.

Nach Hüftgelenkoperationen kommt es zuweilen zu Schäden entsprechender Nerven im Beckenbereich, dem Plexus lumbalis, oder zu Schäden der Beinnerven, was mit chronischen Schmerzen und Lähmungen einhergehen kann.
Ebenso findet man Nervenschädigungen am Oberschenkel und Unterschenkel durch Unfälle oder auch durch Tumore bedingt. Teilweise handelt es sich dabei auch um kleine Tumore des Nervengewebes selbst.

Ein Nerv ist eine spezielle Körperzelle, die zwar extrem dünn, aber bis zu 1,50 m lang ist. Die Nerven durchziehen als Bündel vom Rückenmark ausgehend den gesamten Körper, ähnlich wie Stromkabel. Wird ein derartiges Nervenbündel durchtrennt, so degeneriert das periphere Ende innerhalb kürzester Zeit. Lediglich die den eigentlichen Nerv umhüllenden Stützzellen bleiben erhalten.

Diese erhaltenen Stützzellen sondern einen Lockstoff ab, der das Wachstum des zentral erhaltenen Nervenanteils stimuliert. Ist nun ein Nerv scharf durchtrennt, so kann er in das alte noch vorhandene Gerüst der Stützzellen einwachsen. In den meisten Fällen ist der Nerv aber zerrissen, so dass das wachstumsfähige Ende zu weit von den lockstoffabsondernden Zellen entfernt ist. Nach kurzem Umherirren stellt der nun ziellos aussprossende Nerv sein Wachstum ein und bildet eine Narbe an seinem Ende, die nicht selten Schmerzen und das Gefühl des Elektrisierens verursachen.

Hier bietet sich die Möglichkeit, durch Transplantation eines im Unterschenkel oder Unterarm gelegenen Hautnervs, die fehlende Brücke zwischen den getrennten Nervenenden herzustellen. Dies geschieht mit feinsten Instrumenten und haardünnen Fäden unter dem Operationsmikroskop. Das Nervengewebe des transplantierten Nerven geht dabei ebenfalls zugrunde, aber die nun vorhandenen Stützzellen stimulieren das Wachstum des verbliebenen Nerven und leiten ihn durch die Überbrückung an die alte Stelle in der Peripherie. Dieser Prozess dauert je nach Länge der Wachstumsstrecke zwischen ½ und 2 Jahren. Da Nerven keine Farbcodierung aufweisen, wie ihre technischen Gegenstücke, die elektrischen Kabel, ist das Ergebnis einer derartigen mikrochirurgischen Nerventransplantation weitestgehend abhängig von der Erfahrung  des Operateurs.

Ist ein Nerv nicht zerrissen, sondern durch einen Tumor oder andere äußere Einwirkung lediglich vernarbt, so genügt oft die mikrochirurgische Entfernung des Narbengewebes, um die Funktion zu verbessern.